Karate Club Shintaikan

 

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BUSHIDO

 

Übersetzt bedeutet es: "Weg des Kriegers".

Vor allem dem Wort "DO" kommt eine besondere Bedeutung zu. "DO" bedeutet "Weg" im Sinne von voranschreiten, weiterentwickeln, vervollkommnen. Es steht für stetige ununterbrochene Arbeit an sich selbst, immer im Sinne der Weiterentwicklung unabhängig von physischen oder psychischen Voraussetzungen.

Dies erfordert eine positive aktive Einstellung zum Leben. Pessimismus ist in diesem Gedanken fehl am Platze. Vergleichen kann man das Wort "DO" mit dem griechischen Wort "Méthodos"; dieses bedeutet ebenfalls "Weg".

"BUSHIDO" war keine Lehre im eigentlichen Sinne, es schöpfte seine Substanz aus allen geistigen Strömungen, die in Japan eindrangen. Anwendungsbezogen akzentuierte es die für den Kampf und das Leben gebotene Geisteshaltung sowie moralische Eigenschaften, die in menschlichen Beziehungen notwendig sind.

 

Die Quellen des BUSHIDO finden wir

im Shintoismus: Dessen Lehre zeichnet sich durch Vaterlandsliebe und Treue, sowie Zurückhaltung und Geduld aus. In der Shinto-Lehre ist kein Platz für Glaubensbekenntnisse, komplizierte Rituale oder moralische Gebote. Im Gegenteil, sie glaubt an die Naturgottheiten, an angeborene Güte, an die göttliche Reinheit der menschlichen Seele. An geweihten Orten Shintos hängt nur ein einfacher Spiegel im Heiligtum. Diese Art des Gottesdienstes ist gleichbedeutend mit dem alten Wort aus Delphi: "Erkenne Dich selbst" (Weder in der griechischen noch in der japanischen Lehre ist damit die körperliche und natürliche Beschaffenheit des Menschen gemeint).

Im Mittelpunkt steht die Einheit zwischen dem Leben, den Menschen und der Natur; die Haltung ist geprägt "vom Streben nach Harmonie zwischen dem Menschen, der Natur und den Gottheiten, vor der Achtung vor allem, was lebt, vom Ahnenkult und von einem Gefühl der Heiterkeit und Beständigkeit."(1)

im Buddhismus: Buddha bedeutet "der Erwachte", er wurde wahrscheinlich um 556 vor Christus im Gangesbecken geboren. Seine Lehre geht von dem Leiden der Menschen aus; er sagte, Leben und Leiden sind nicht zu trennen. Ziel ist es die Ursachen zu ergründen und zu beseitigen. Im japanischen Buddhismus war es das Ziel den Bedürfnissen eine neue Rangfolge zu geben, mit der Absicht der Beseitigung der Ursachen von Angst und Unbeständigkeit sowie der Entfernung der Konflikte der Bedürfnisse untereinander. Der asketische Glaube veränderte sich hin zu einem Glaube an die Fähigkeit des Menschen seinen Geist so zu ändern, dass die Bedürfnisse eine allgemeine befriedigende Ordnung erhielten; ein Loslösen von Egoismus und Eigenwilligkeit. Des weiteren vermittelt der Buddhismus ein Gefühl ruhigen Vertrauens in das Schicksal, eine stille Unterwerfung unter das Unvermeidliche; jene unerschütterliche Fassung angesichts von Gefahren und Nöten; er lehrt ebenfalls das mitfühlende Wohlwollen mit allen Wesen.

im Taoismus :Diese chinesische Lehre ist von einem Urprinzip beherrscht: dem Tao. Das Tao ist der Ursprung alles Werdens und das Ergebnis allen Wandelns. Nach dem Tao ordnet und bewegt sich die Welt, das ganze Universum in Raum und Zeit nach zwei Prinzipien, Yin und Yang, diese geben dem Lauf der Welt den Rhythmus. Das Tao ist ihre Einheit; das leitende Prinzip ihrer Ordnung und Bewegung. Der Mensch ist kein freies und losgelöstes Teil der Welt, die ihn umgibt; er ist eine Welt im Kleinen, ein Mikrokosmos, der in seinem Aufbau und seinen Bewegungen vollkommen dem Makrokosmos gleicht, von dem er abhängt.

wer andere kennt,

ist klug.

wer sich selber kennt,

ist weise.

Tao te king (XXXIII)

 

 

 

 

Das Wechselspiel zwischen 

Yin und Yang ist der Ursprung 

unseres Lebens

im Konfuzianismus: Das Individuum wurde als Teil eines Ganzen verstanden, der Konfuzianismus setzte seinen Akzent auf die Gesellschaft. Der Ordnungsgedanke, seine Aufstellung der sittlichen Beziehungen zwischen dem Herrschenden und dem Beherrschten, und das Gefühl der Menschlichkeit waren zwei wichtige Vorstellungen. Der ruhige, milde und angenehme Charakter seiner politisch-ethischen

Vorschriften war für die Samurai, welche die herrschende Klasse bildeten vorzüglich geeignet. Neben Konfuzius übte noch Menzius einen ungeheuren Einfluss auf BUSHIDO aus. Seine kraftvollen und oft demokratischen Lehren zogen besonders gleichgestimmte Naturen an.

Wenn man die Wahl

hat ob man das

Leben opfern will

oder nicht, erfordert

es Mut es zu behalten

Mencius

"BUSHIDO" hielt nicht viel von der Kenntnis an sich. Sie wurde nicht als Endzweck verfolgt, sondern als ein Mittel zur Erreichung der Weisheit. Wer sie daher als Endzweck betrachtete und dabei stehen blieb, wurde nicht höher geschätzt als eine Maschine, die auf Wunsch Gedichte und Lehrsätze hervorbrachte.

So wurde die Kenntnis als gleichbedeutend mit ihrer praktischen Anwendung im Leben angesehen; und diese sokratische Lehre findet ihren größten Vertreter in WANG YANG MING, dem chinesischen Philosophen, der nie müde wird, zu wiederholen:

"Wissen und handeln ist ein und dasselbe".

WANG YANG MINGs Lehre handelt von der Unfehlbarkeit des Gewissens; von der Fähigkeit zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden und die Natur der psychologischen Erscheinungen sowie der physikalischen Naturereignisse zu begreifen.

Was aber auch immer die Quellen sein möchten und die möglichen Denkfehler, die darin enthalten sind; die wesentlichen Grundsätze, welche BUSHIDO aus ihnen zog und sich zu eigen machte waren nur Wenige und Einfache:

Aufrichtigkeit - nichts war dem Samurai widerwärtiger als heimtückisches Handeln und krumme Wege. Aufrichtigkeit ist die Kraft ohne Zaudern in Übereinstimmung mit der Vernunft einen gewissen Weg einzuschlagen.

Vernunft - der Verstand des Menschen muss zu Hilfe kommen und seine Vernunft geschärft werden um ihn von der Notwendigkeit, recht zu handeln, zu überzeugen. In dem Augenblick, wo die Pflicht als Last empfunden wird, muss die Vernunft eingreifen, um zu verhindern, dass wir uns entziehen wollen.

Mut - Man hielt den Mut kaum für würdig unter die Tugenden gerechnet zu werden, wenn er sich nicht in Sachen der Gerechtigkeit zeigt. Konfuzius erklärt den Mut indem er das Gegenteil aufzeigt: "Bemerken, was recht ist, und es nicht tun beweist Mangel an Mut", Mut heißt demnach tun was recht ist.

Höflichkeit - Die der Höflichkeit zugrunde liegende Idee ist, den Menschen in seinem Verkehr mit anderen immer angenehm erscheinen zu lassen. Dies ist kein Endzweck, sondern nur eins der verschiedenen Mittel, das geistige Naturell des Menschen zu kultivieren. Höflichkeit muß Hand in Hand gehen mit der Vorschrift: "Freue Dich mit den Fröhlichen und weine mit den Trauernden", oder besser, "freue Dich mit den Fröhlichen und lasse die anderen Deine Tränen nicht sehen", Stoizismus und Höflichkeit, anscheinend weit auseinander, sind in Wirklichkeit Bruder und Schwester. Ein beständiges Streben, die Heiterkeit des Geistes zu erhalten steht damit in enger Verbindung.

Liebe, Großmut, Zuneigung - zu anderen, Mitgefühl und Mitleid wurden als erhabene Tugenden angesehen, als die höchsten Eigenschaften der menschlichen Seele.

Wohlwollen und Güte - sind nach der BUSHIDO-Lehre die höchsten Güte Attribute des edlen Charakters. Es sei also Feigheit, einen gesunkenen Menschen zu misshandeln, und es sei gut dem Schwachen zu helfen.

 

Das erste Erfordernis für einen Samurai war sich über sich selbst Rechenschaft zu geben. Das Gewissen (kokoro) war der alleinige Maßstab für Recht und Unrecht. Das Gewissen ist eine Macht des Bewusstseins, das ganze Wesen von BUSHIDO bedeutet Tätigkeit, also sind Gedanke und Tat ein und dasselbe.

Es ist von der Gesinnung der BUSHIDO-Lehre zu erwarten, dass Tüchtigkeit als ein wichtiger Teil angesehen wird. In frühester Jugend wurde dem Samurai die Aufgabe: "Zu tragen und zu wagen" gelehrt.

Jungen und auch Mädchen (letztere in beschränkterem Maße) wurden in spartanischer Weise erzogen Entbehrungen aller Art zu ertragen:

Barfuss vor Sonnenaufgang durch den Schnee zu ihren Übungen im Fechten und Scheibenschießen zu gehen; Begräbnisplätze um Mitternacht aufzusuchen; ganze Nächte aufrecht sitzend und in steter Bereitschaft zu verbringen; sich schwerer Proben zu unterziehen, war die Erziehungsweise, der jeder Samurai unterworfen war.

Wenn auch gesund und in vielen Punkten nützlich war der Vorgang, das Nervensystem einer gesunden Natur zu stählen, nicht der Zweck nach dem BUSHIDO zielte; Tapferkeit, Mut, Ehrlichkeit, Wahrheit, Selbstbeherrschung, Geduld, Treue.

In frühen Tagen des BUSHIDO mussten wahrscheinlich strenge Regeln für gutes Betragen aufrecht erhalten werden, um einen entzündbaren wilden Menschenschlag wie die "mit zwei Schwertern Fechtende" waren, in Schach zu halten.

Überall muss mit dem Waffentragen ein schickliches Benehmen Hand in Hand gehen. Sobald aber die Aufrichtigkeit beiseite geschoben wird, hat das feinste Benehmen keinen Anspruch mehr auf Lob. Leere Formen und Phrasen wurden verabscheut.

BUSHIDO würde nicht ein Wort oder eine Handlung gestatten, denen es an Aufrichtigkeit oder Wahrhaftigkeit fehlen würde.

 

Für den Erfolg heutzutage ist eine umfassende psychologische Kenntnis sowohl des eigenen Ich als auch der Mitmenschen unerlässlich.

BUSHIDO lehrt den Optimismus in allen Lebenslagen, positive Einstellung zum Leben. In der Lehre des BUSHIDO finden sich Grundgedanken, die sich auf unsere heutige Zivilisation positiv auswirken können.

Das oben aufgeführte Idealbild des BUSHIDO soll weder etwas über die tatsächlichen Geschehnisse seiner Zeit aussagen, noch bedeuten, dass die Grundregeln ausnahmslos befolgt wurden.

Ziel ist es, in der Lehre des BUSHIDO positive Denkanstöße zu finden.

 

Die drei Freunde; der Fichtenzweig, das Bambuslaub und die Pflaumenblüte stellen jeweils eine besondere Nuance Lebensenergie dar.

Sie symbolisieren den Konfuzianismus, den Taoismus und den Buddhismus.

Verfasst von S. Walz ´95 (bitte copyright beachten!!!)

 

Verwendete Literatur:

Funakoshi, Gichin          Karate-Do; Mein Weg          Werner Kristkeiz Verlag

Klanke, H.          Bushido - Die Seele Japans          München 1937

Protin, A.          Aikido          Kösel-Verlag, München 1984