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Die Verbindung von Kampfkünsten mit taoistischer Tradition

 

Tai Qi - die ursprüngliche Grundlage des Kosmos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Wissen um das Problem als Schlüssel zur Lösung.

Wie in einer alten Geschichte überliefert wird, fragt einmal ein Fürst des frühen China seinen Arzt, der aus einer Heilerfamilie stammte, welcher von ihnen in der Heilkunst am meisten bewandert wäre.

Der Arzt, dessen Ruf so gut war, dass sein Name gleichbedeutend mit der Heilkunst in China war, antwortete: "Mein ältester Bruder sieht den Geist der Krankheit und entfernt ihn bevor er Gestalt annimmt, daher dringt sein Name nicht über das Haus hinaus. Mein älterer Bruder heilt Krankheiten, wenn sie noch kaum in Erscheinung treten, daher dringt sein Name nicht über die Nachbarschaft hinaus. Was mich betrifft, so punktiere ich Venen, verschreibe Arzneien und massiere die Haut, daher dringt mein Name manchmal bis in die Ferne und an die Ohren der Herrscher."

Zwischen den Heilkünsten und den Kampfkünsten mögen im alltäglichen Gebrauch Welten liegen, aber sie weisen gewisse Parallelen auf: in der Erkenntnis, dass es umso besser ist, je weniger es bedarf; in dem Sinne, dass beide Strategien für den Umgang mit Misshelligkeiten erfordern; und in dem Sinne, dass in beiden das Wissen um das Problem der Schlüssel zur Lösung ist.

Wie in der Geschichte über die alten Heiler besteht auch in Sun Tsus Philosophie die höchste Wirksamkeit von Wissen und Strategie darin, einen Konflikt gänzlich unnötig zu machen.

Der Geschichte entsprechend, nach der der älteste Bruder dank seines Scharfsinns unbekannt blieb und der mittlere Bruder dank seines Eifers nur einem begrenzten Kreis bekannt war, bestätigt auch Sun Tsu, dass in früheren Zeiten jene, die als geschickte Krieger bekannt waren, den Sieg errungen haben, solange er noch mit Leichtigkeit errungen werden konnte.

So waren die Siege der geschickten Krieger nicht für List und Tücke bekannt und wurden auch nicht für besondere Tapferkeit belohnt. Diese ideale Strategie, die es erlaubt zu siegen, ohne zu kämpfen, und das Maximum zu erreichen, indem man am wenigsten tut, trägt den charakteristischen Stempel des Taoismus, der alten Wissenstradition, aus der sowohl die Heilkunst als auch die Kampfkünste in China hervorgingen.

Gemäß der Kunst des Krieges ist der Meisterkrieger ebenfalls einer, der die Psychologie und die Mechanismen der Konflikts so genau kennt, dass er jeden Schritt des Gegners sofort durchschaut und fähig ist in exakter Übereinstimmung mit der jeweiligen Situation zu handeln, indem er sich von ihren natürlichen Strukturen mit einem Minimum an Aufwand tragen lässt.

Das Buch des Gleichgewichts und der Harmonie beschreibt dann das taoistische Wissen und Üben in Begriffen, die der Suche des Kriegers entlehnt sind:

Tiefes Wissen heißt, der Störung vor der Störung gewahr zu sein, der Gefahr vor der Gefahr gewahr zu sein, der Zerstörung vor der Zerstörung gewahr zu sein, dem Unglück vor dem Unglück gewahr zu sein. Kraftvolles Handeln heißt, den Körper zu trainieren, ohne sich vom Geist benützen zu lassen; in der Welt zu arbeiten, ohne sich von der Welt berühren zu lassen; und Aufgaben auszuführen, ohne sich von den Aufgaben behindern zu lassen,

Durch das tiefe Wissen um das Prinzip kannst du eine Störung in Ordnung verwandeln; du kannst Gefahr in Sicherheit verwandeln; du kannst Unglück in Glück verwandeln. Durch kraftvolles Handeln auf dem Weg kannst du den Körper in das Reich der Langlebigkeit führen; du kannst den Geist in die Sphäre des Geheimen führen; du kannst Aufgaben zu großer Erfüllung zu führen.

In der Tat, fähig zu sein, etwas zu tun, bevor es existiert, etwas zu erahnen, bevor es aktiv wird, etwas zu sehen, bevor es hervor tritt, dies sind drei Fähigkeiten, die sich in Abhängigkeit voneinander entwickeln, nichts wird unternommen, ohne dass eine Reaktion einträte, und nirgendwo geht man hin, ohne daraus Nutzen zu ziehen.

Eines der Ziele der taoistischen Literatur liegt darin, diese spezielle Intuition und Empfindsamkeit entwickeln zu helfen, die einen Situationen des Lebens meistern lassen.

 

Literatur: Auszug aus: Sun Tsu; Wahrhaft siegt wer nicht kämpft, Bauer Verlag, Freiburg, 1997